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Die Badewannenmafia
(27. Juni 10)

Jahrelang lagen wir in der EU in viel zu teuren Badewannen rum. Im Jahr 1992 nämlich haben führende Hersteller ein geheimes Badewannenkartell gebildet. Die EU verhängte jetzt 622 Millionen Strafe. Immerhin. Trotzdem: Was hätten wir für ein Leben führen können! Sorglos hätten wir im Duschbad geplantscht, statt verbittert im kalten Wasser zu bibbern, um den Badewannenpreis wieder reinzuholen. Wie anders wären wir aus einem solchen Bad gestiegen? Sicherlich hätten wir aufgrund unseres Wohlgeruchs niemals unseren Job verloren, wir wären immer noch in erster Ehe verheiratet. Daher hätten wir auch gar nicht in neue Wohnungen ziehen müssen, für die wir zu hohe Mieten zahlen mussten, weil auch dort superteure Badewannen eingebaut waren. Auch müssten wir heute keine teuren Nachhilfestunden für unsere Kinder bezahlen. Denn Kinder, die mit preisgünstigen Badewannen aufwachsen, haben viel entspanntere Eltern. Die sagen: "Ach, du hast die Keramik abgeschlagen? Das macht nichts. Wir kaufen morgen 'ne neue Badewanne". Solche Kinder entwickeln sich nachweislich viel besser. Und was hätten wir erst mit diesen Kindern für Urlaube machen können - in günstigen Hotelzimmern mit günstigen Badewannen drin. Nicht auszudenken! Klar: Unser Schaden durch die zu viel teuren Badewannen ist ziemlich enorm. Gut, dass EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia allen Betroffenen empfohlen hat, die Badewannenmafiosi umgehend auf Schadensersatz zu verklagen.
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Text ohne Daten
(12. August 10)

Liebe Leser: Der Inhalt dieser Glosse unterliegt dem Datenschutz. Darauf haben Datenschützer im Zuge eines unangekündigten Redaktionsbesuchs heute morgen erfolgreich hingewirkt. Schon das Thema der Glosse zu verraten, so die Datenschützer, wäre eine unbefugte Bekanntgabe von Gedanken (Intimsphäre!). Zudem, so die Datenschützer weiter, ließen die Gedanken Rückschlüsse auf den Bildungsstand, den Beruf und somit auf das Einkommen des Gedankeneigners zu, welche möglicherweise Einbrecher dazu verlocken könnten, sich von dessen Wohnung abzuwenden, um sich lieber lohnenderen Objekten zuzuwenden. Dies aber widerspreche in eklatanter Weise dem Gleichheitsgebot des Grundgesetzes, wonach jeder gleichermaßen ein Anrecht auf Einbrecher habe, oder dass wenigstens ein paar Bilder von seinem Haus geknipst werden, von Einbrechern, von Touristen, oder vielleicht sogar von Google! In Zukunft, so ließen die Datenschützer des Weiteren verlauten, in Zukunft sollte übrigens nicht nur das Fotografieren und Filmen allgemein unter Strafe gestellt werden, auch scharfe Blicke seien in einem Rechtsstaat ebenso unangemessen wie etwa genaues Hinhören beim Nachbartisch im Straßencafé. Wer zukünftig im öffentlichen Raum bei einer Verrichtung erwischt werde, bei der Daten (Aussehen, Töne, Gerüche) abgeschöpft würden, habe mit Strafverfolgung zu rechnen. Vom privaten Rahmen einmal ganz zu schweigen!
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Die nächsten Rücktritte
(1. Juni 10)

Liebe Leser, ich hoffe, Sie werden jetzt nicht traurig: Aber wie aus gut informierten Gehirnwindungen verlautet, sind die nächsten Rücktritte bereits in Arbeit. Schon im Laufe der nächsten 24 Stunden, so heißt es, wird Bundestrainer Jogi Löw freiwillig aus dem Amt scheiden: "Die Anfeindungen von Seiten des Verletzungspechs ertrage ich einfach nicht mehr", wird Löw in einer spontanen Steh-Pressekonferenz auf dem Trainingsplatz der Nationalmannschaft sagen. Daraufhin verkündet Michael Ballack über das Handy eines anwesenden Journalisten: Er trete von seiner Fußverletzung zurück, in der Hoffnung, den Bundestrainer noch umstimmen zu können. Dieser schafft es nicht, das Trainingsgelände zu verlassen, da der Platzwart aus Protest gegen seinen Rücktritt zurückgetreten ist - alles ist abgeschlossen, Löw kommt nicht mehr an seine Sporttasche mit den Autoschlüsseln ran. Während die Lage zu eskalieren scheint - erste Fotoreporter murren bereits, sie hätten "einfach keinen Bock mehr auf ihren Job", Philipp Lahm solle sich selber knipsen -, mitten in die aufgewühlte Stimmung platzt eine Botschaft, die jeden Anwesenden schockiert: Weil sie aus Großbritannien nur vier Punkte erhalten habe, so Lena, sei sie soeben von einer "maßlosen Traurigkeit" überkommen worden und trete hiermit vom Song-Contest-Sieg zurück - "Und das Abi will ich auch nicht mehr haben." Kanzlerin Merkel erbittet sich im Angesicht dieser Krisensituation "Bedenkzeit". Spekulationen machen die Runde, wonach sie sich wegen "wiederholter Häme gegen meine Frisur" ab sofort außerstande sehe, das Amt der Bundeskanzlerin auszuüben... Wie bitte? Jetzt wird's doch zu doof? Okay, gut, ich trete hiermit als Glossenautor... na, Sie wissen schon. Für sämtliche frei werdenden Jobs soll übrigens Lothar Matthäus im Gespräch sein.
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Die Geheimstudie
(Steuerberater Magazin, Juni 2008)

Um der haltlosen Kritik an den angeblich zu hohen Abgeordnetenbezügen entgegenzutreten, hat der Bundestag jetzt eine Geheimstudie durchgeführt, die dem Steuerberater Magazin exklusiv vorliegt. Befragt wurden darin einige hundert Bundestagsabgeordnete nach ihren tatsächlichen monatlichen Aufwendungen, für die sie durch diese „kleine steuerfreie Kostenpauschale von 3720 Euro monatlich" entschädigt werden sollen. Die Ergebnisse alarmieren: 31 Prozent der Abgeordneten müssen monatlich „sehr, sehr viel ausgeben, auf jeden Fall viel mehr als einem erstattet wird", 12 Prozent bezeichneten ihre Ausgaben als „so extrem hoch, dass es einem eh keiner glaubt", und 24 Prozent wird „beim Gedanken an die Summe schwindlig". Nur 0,8 Prozent erklärte: „Weiß nicht so genau, aber sicher schon eher sehr hoch." Konkrete Zahlen, so die Studie, konnten die Abgeordneten aus Verschwiegenheitsgründen nicht nennen. Es habe jedoch Hinweise gegeben wie auf die „Explosion beim Goldpreis, welcher zuletzt dramatisch auch auf das Marktsegement golddurchwirkter Bürovorhänge durchgeschlagen hat." Ein anderer erklärte: „Die Preise für schöne Briefmarken haben sich erst neulich wieder verdreifacht." Ein dritter gab die Schuld der Papierbranche. „Man wagt schon gar nicht mehr, was auszudrucken." Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Kostenpauschale dringend ungefähr verdoppelt werden müsse. Denn ungünstigerweise könne Abgeordneten nicht der sonst übliche Einzelfallnachweis zugemutet werden, weil dies den baldigen Zusammenbruch unserer Demokratie nach sich ziehe.
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Mai 2009
Uns fragt auch keiner
Laudatio auf Marc Schürmann zum Segen 08

Mit "Rangelow fragt ja keiner" vollführt Marc Schürmann ein Kunststück: Er klaubt ein Fußballthema vom zertretenen grünen Acker auf und wendet es in eine elegante, erbauliche und warmherzig erzählte Medienglosse, über die selbst Fußball-Laien lachen können. Warum? Weil sein Text zielsicher ins schwarze Herz unserer Welterkenntnis sticht: In der Causa Frings, jenem absurden, über Interviews und Pressekonferenzen ausgetragenen Streit zwischen Michael Ballack und Joachim Löw, erkennt Schürmann sein Thema und arbeitet es mit Fantasie und Witz heraus: Was, wenn ein vergleichbarer Streit zwischen Angestellten des Provinz-Bundesligisten Energie Cottbus ausbräche, dort also, wo kein größeres Medium freiwillig sein Mikrofon reinhalten würde? Der Streit bliebe unbemerkt. Und also unausgetragen. "Stellen Sie doch den Sörensen wieder auf", wendet sich Kapitän Rangelow in Schürmanns Fiktion an seinen Trainer, bekommt die wunderschöne Antwort "Meine Sache", worauf Rangelow quittiert: "Okay." Und damit ist der Streit dann zu Ende. Und wir bemerken es noch nicht mal. Das Ereignis hat also gar nicht stattgefunden. Oder, wie Schürmann es ausdrückt: "Dimitar Rangelow wird von der FAZ nicht angerufen, es sei denn, diese sucht neue Abonnenten." Indem Schürmann die Abseitigkeit des Cottbusser Alltags in vornehmer Sachlichkeit schildert, gelingen ihm nicht nur hübsche Szenen - diese erhellen auch, aus der Fiktion heraus, unsere Wirklichkeit: Wir erfahren nur, was in den Medien steht. Wer zu uns sprechen darf, wer ihm ein Forum bietet und was das Forum aus ihm macht - darauf haben wir braven Medienkonsumenten nicht den mindesten Einfluss. Vielleicht würden ja auch wir gerne einmal eine Streitigkeit über die Medien austragen. Aber: Uns fragt halt auch keiner. Also bleibt uns nur dieser Weg in die Öffentlichkeit: Marc Schürmann für seine schöne Glosse den „Segen 08" für die beste Nachrichtenglosse des Jahres zu erteilen.

"Segen 08"-Jury:
Martin Sonneborn (Jurypräsident)
Susanne Berkenheger (glossendienst)
Klaus Ungerer (glossendienst)
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Mai 2010
Lob der Abschweifung
Laudatio zum Segen 09

In einer nicht gar zu fernen Zukunft wird Tillmann Prüfers Glosse über den Diderot-Effekt als Lehrstück nicht nur für nachwachsende Glossenschreiber, sondern überhaupt für Journalisten gelten. Prüfer nämlich führt einige der wichtigsten Tugenden vor, über die ein solcher Kollege verfügen muss. Erstens: Muss er neugierig sein. Zweitens: Muss er sich, wenn der Moment dazu mal gekommen ist, angstfrei auch noch der wildesten Abschweifung anheimgeben. Drittens: Muss er erkennen, wenn er sein Thema völlig aus den Augen verloren, dafür aber ein neues, viel besseres Thema gefunden hat. Das gelingt den wenigsten. Manch einer hätte sein Wissen bereits zu Beginn der Recherche im Kopf und fände also auch nichts außer all den vorgefassten Sätzen, die sich in seinen Gehirnwindungen eh schon ihre Serifchen wundgelaufen haben. Prüfer aber, auf der Suche nach dem Diderot-Effekt, der irgendwo im Blätterwald vorbeigehuscht sein mag, stößt auf ein ganz anderes, nicht minder faszinierendes Phänomen und folgt ihm weit, sehr weit... um schließlich, eine große Runde gedreht habend, überraschend doch am vereinbarten thematischen Treffpunkt wieder aufzutauchen. Den Leser aber fliegt die Weisheit an: Oft lohnt es sich, einen Umweg zu gehen, ziellos daherzuschlendern durch den Moloch der blitzenden, blinkenden, hupenden und tutenden Nachrichtenwelt. Und so hübsch ist Prüfers Geschichte erzählt, dass wir uns um die Frage nach wahr oder unwahr noch viel weniger bekümmern mögen als bei all den Meldungen, Kommentaren, Studien und Expertendarbietungen, mit denen wir tagtäglich sonst so beschossen werden.

"Segen 09"-Jury:
Martin Sonneborn (Jurypräsident)
Susanne Berkenheger (glossendienst)
Klaus Ungerer (glossendienst)
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Rangelow fragt ja keiner
Von Marc Schürmann
(Financial Times Deutschland, 27. Oktober 08)

Von Vereinen, die trotz hartnäckiger Schwächen beim Fußballspielen noch in der Bundesliga sind, heißt es oft, ihr Trumpf sei die mannschaftliche Geschlossenheit. Und ihre Übereinkünfte, über alles zu reden, aber nur intern. Das stimmt. Würde zum Beispiel der Cottbusser Dimitar Rangelow, am Samstag zweifacher Torschütze gegen Frankfurt, Trainer Bojan Prasnikar zur Rede stellen und sich beschweren, dass sein Sturmpartner Sörensen nur Einwechselspieler war, dann liefe der Dialog wohl so ab: „Stellen Sie doch den Sörensen wieder auf." - „Meine Sache." - „Okay." Aber bestimmt nicht so: „Wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen. Respekt und Loyalität ist doch das Wenigste, was man als verdienter Cottbusser erwarten kann." - „Ich lasse mir grundsätzlich nicht reinreden. Aber ein Gespräch wird es jetzt geben. Nicht erst in ein paar Tagen, sondern sehr zeitnah." - „Ich freue mich, dass Sie wieder den Dialog mit mir suchen." - „Das kann ich mir nicht gefallen lassen." - „Ich werde mich in kürzester Zeit mit Ihnen zusammensetzen, sobald es mein Gesundheitszustand zulässt, und werde mich für mein Verhalten bei Ihnen entschuldigen." Also, ein Plus für die mannschaftliche Geschlossenheit.

Und doch ist sie ein Mythos. Denn man darf unterstellen, dass Führungsspieler kleinerer Vereine gern mal einen Streit über die Medien austragen würden, so wie die oben zitierten Herren Ballack und Löw - nur wie? Dimitar Rangelow wird von der „FAZ" nicht angerufen, es sei denn, diese sucht neue Abonnenten. Ruft Rangelow die „FAZ" an, heißt es nur, ohne Abonummer könne man ihm nicht helfen. Rangelow kann sich an die „Lausitzer Rundschau" wenden. Sie wird Rangelows Meinung vermutlich veröffentlichen, doch das verpufft, wenn Prasnikar die „Lausitzer Rundschau" nicht liest. Ist die Wut auf den Trainer groß genug, könnte sich Rangelow noch in die Innenstadt von Cottbus stellen und seine Ansichten in eine Megafon brüllen. Aber aufgepasst: Cottbus hat bloß 102 000 Einwohner, und gerade einmal ein Siebtel der kommunalen Fläche ist bebaut.

Bleibt ihm also nur, Meinungsverschiedenheiten intern anzusprechen. Zurzeit bringt auch das nichts, sein Verein ist Letzter. Wenigstens gehören Cottbus, wie auch anderen kleinen Mannschaften, unsere Sympathien. Jetzt wissen wir auch, warum: Wir hören nichts von ihnen.
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Nichts als die Wahrheit
Von Tillmann Prüfer
(Financial Times Deutschland, 6. März 09)

Ich wollte eine Kolumne über den Diderot-Effekt schreiben. Leider wusste ich nichts über Diderot. Also tippte ich den Namen bei Google ein. Leider schrieb ich ihn falsch, sodass Google nichts finden konnte, aber mich fragte: "Meinten Sie: 'marder tot'?" Das ist bemerkenswert - Google findet es wahrscheinlicher, dass jemand einem kleinen Raubtier nach den Leben trachtet, als dass er etwas über französische Aufklärung wissen will. Allerdings bietet das Internet einen großen Wissensschatz zur Mardereliminierung: Wenn Marder in den Motorraum eines Autos eindringen, um dort Schläuche anzunagen, hilft es nicht, Ultraschallgeräte im Auto anzubringen. Auch den Motorraum mit Marder-Schreck-Spray zu verpesten, ist keine effektive Methode. Unter Mardermördern gibt es dagegen Anhänger von schweren Schlagbügelfallen. Stattet man sein Auto damit aus und lockt das Tier mit einem rohen Ei, dann hat man eine Chance, es zu erlegen. Aber freilich gibt es bessere Vorgehensweisen. Man muss nur eine große Metallplatte kaufen, das Auto darauf parken und das Ganze an eine Steckdose anschließen. Der Königsweg, erfuhr ich, sei aber, das Auto mit Scheinwerfern zu umstellen und einen Bewegungsmelder anzuschließen. Sobald sich der Marder nähert, wird er durch einen 1000-Volt-Blitz schockiert. Der Diderot-Effekt, erfuhr ich später, ist, wenn ein neuer Einrichtungsgegenstand seine Umwelt so sehr beeinflusst, dass man große Umbauten vollziehen muss, damit das Gesamtbild wieder stimmig wird. Also etwa das, was passiert, wenn ein Marder in eine deutsche Garage einzieht.
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15. August 2006
Die Seele im Rangierbahnhof
Laudatio auf den Glossenkönig 2006, Hartmut Mehdorn

Das Menschliche in der großen Politik und in den großen Nachrichten aufzuspüren, ihm gebührenden Platz einzuräumen - ist die vornehmste Aufgabe der Glosse. Oft muss sie dazu die Nachrichten nachbessern, oft ein Menscheln erfinden, welches der Kühle der Vorgänge nicht innewohnt, oft harsche Politik in eine ungenannte Privatsphäre herunterbrechen, um dem Moloch der Nachrichtenerzeugung einen kleinen, feinen, heiteren Text abzugewinnen. Dröges Zeug muss aufgepeppt werden; Ungerechtigkeiten müssen verklart; davongaloppierte Äußerungen müssen eingefangen und gezähmt werden, um sie vorführen zu können. Viel geföntes Volk tritt täglich vor die Kameras und muss von seinen verkanteten Verlautbarungen entfernt werden, damit immerhin die noch für den Funkenschlag der Pointen sorgen können - ganz anders ist es bei Hartmut Mehdorn.

Nicht umsonst hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG in den vergangenen 200 glossendienst-Glossen regelmäßig eine prominente und zugkräftige Rolle gespielt - für einen Wirtschaftsführer eine beachtliche Leistung. Immer haben wir Hartmut Mehdorn dabei als unseren Verbündeten empfunden im Kampf gegen das allzu Gelackte, gegen das allgemeine, windschnittige Funktionieren, welches etwa die Medienprotagonisten der großen politischen Parteien auszeichnet: Angeglichen ans Gros, stets auf Zustimmung schielend, versehen sie ihren Dienst, indem sie mit Äußerungen und Anregungen hervorprangen, die von ihren Referenten stammen und an die sie sich in acht Wochen nicht mehr erinnern werden - pah. Ist auch oft das Gesagte komisch oder absurd, taugt es oft auch als Glossenkatalysator - so sind seine Sprechblasen- träger doch gar zu bald vergessen.

Wie froh ist man da, dass es einen wie Hartmut Mehdorn gibt: Frei und ungebunden im Denken, wirft er sich mit dem vollen Gewicht seiner stürmischen Persönlichkeit in die Waagschale der Debatten und Verrichtungen: Ob es ihn mit der ganzen Urgewalt seiner großen Seele nach Hamburg ans Meer zieht und den ganzen Konzern gleich mit hinterher - selbst wenn's nicht klappt -; ob er eigenhändig gigantische Bauprojekte nach eigenem architektonischen Gusto verschneidet; ob er mit viel zu selten erlebter Euphorie enorme Summen Geldes in die große Idee eines Fußballturniers hineinballert - stets ist Hartmut Mehdorn ein Vorbild als Mensch und Glossenfigur. Viel öfter wünschte man sich einen wie ihn: einen, der noch mit echter Freude an seinen Träumen hängt, einen, der kleinliche Beraterbedenken großzügig wegwischt, ehe er sich vors nächste Mikrofon stürzt oder in Tageszeitungen Artikel über sich selbst verfasst: In Hartmut Mehdorn würdigen wir einen der letzten Verbliebenen, deren Eingebungen noch waghalsig und authentisch sind und sich so wohltuend abheben von den Eingebungen, die in den Denkfabriken und Hinterzimmern der Macht von Namenlosen zusammengezimmert werden. Hartmut Mehdorn, der Glossenkönig des Jahres 2006, steht für ein Stück Menschlichkeit im täglichen, oft viel zu reibungslos funktionierenden Rangierbahnhof der Nachrichten.
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Johlen für Mehdorn
(Saarbrücker Zeitung, 30. Juni 2006)

Super Stimmung in knackevollen Zügen! Feiernde Fans lassen sich von Bahnbediensteten Knöpfe annähen, übernachten bei Zugausfällen laut singend in Luftschutzbunkern und verteilen vor Glück zigtausende Bananen. Verlautbart die Bahn AG. Und: „Wir wollen die gute Stimmung erhalten." Sagt Bahnchef Mehdorn. Deshalb halte sich die Bahn mit Fahrkartenkontrollen „vornehm zurück". Ja, was! Wurde etwa bisher nur wegen der miesen Stimmung kontrolliert? Na, also das ist ja ... Miese Stimmung? Gibt’s nicht mehr - ab sofort. Ab sofort schiebt jeweils der Dümmste eines vor sich hin dösenden Waggons Wache - auf dem Flur. Taumelt jetzt ein Kontrolleur heran, so ruft die Waggonwache der Dämmergesellschaft zu: „Stimmung, Leute, Stimmung!" Und alles rappelt sich auf. Johlt. Zerrt Fahnen hervor. Lässt Dosen zischen. Zur Ankunft des Kontrolleurs werden diverse Nationalhymnen geschmettert, dazu „Bahn-A-G! Bahn-A-G!", „Es gibt nur ein’ Hartmut Mehdorn" und „Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin-Hauptbahnhof!" Versteht der Kontrolleur diese dezenten Hinweise nicht und fragt trotzdem nach Tickets, so schallt es ihm entgegen: „Merkst du denn gar nichts? Hier ist grad super Stimmung. Tröööt." Charmante weibliche Fans rücken ihm mit Schminkstiften zu Leibe: „Und viele Grüße an Ihren lieben, lieben Chef." Benommen stolpert der Bahnmann weiter, hinaus in den Gang, wo er tippt: „Melde gehorsamst den 4023sten Stimmungskanonen- waggon seit WM-Beginn. Herzlichst. Ihr Kontrolleur R." Da hat er plötzlich das eigenartige Gefühl, es sei hinter ihm ganz still geworden. Soll er mal nachgucken? Ach, lieber nicht. Wo der Chef doch grad so gut drauf ist.
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15. August 2007
Der Cowboy von Moskau
Laudatio auf den Glossenkönig 2007, Vladimir Putin

Als Berufspolitiker noch überraschen zu können - wem ist es vergönnt? Wer noch kann sich freimachen vom Beraterstab, von Umfragewerten, von demokratischer Weichgespültheit; wer also kann für den richtig glossenträchtigen Nachrichtenkracher sorgen? In Deutschland kann man da lange suchen. Richtige Potentaten sind so selten bei uns.

Um so glücklicher und dankbarer sind heimische Glossenleser, dass es am Rande Europas noch jemanden gibt, der alle Betulichkeit gern mal in den Wind schlägt und echte Westernfreiheit im Osten wiederbelebt: Vladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation. Nur einer wie er, mächtig und scheinbar unabwählbar, kann sich heutzutage noch offen zum Frauennichtverstehen bekennen, zu feudalem Gutsherrngebaren, zu Abenteuerlust und Draufgängertum als Mittel der Politik im dritten Jahrtausend.

Regelmäßig ist der Präsident in den letzten Jahren glossenkundig geworden, und immer geschah es zur Freude unserer Leser. Wie er die Bundeskanzlerin lobte, sie könne zuhören, und: „Das ist bei Frauen, insbesondere bei Politikerinnen, eine seltene Eigenschaft"; wie er ihr beim Fototermin seine bullige Labradorhündin Koni auf den Leib schickte; wie schließlich unter seiner Ägide das stolze Russland ein neues Zeitalter des weltpolitischen Husarentums eröffnete, indem es in tiefster Tiefsee eine russische Fahne ins ewige Dunkel versenkte, in der Hoffnung auf Bodenschätze und weitere Klimaerwärmung - das macht dem Putin im Ernst keiner nach. Das macht Politik transparent, unterhaltsam und fernsehtauglich, da tut einer was für seinen gesamten Berufsstand. Und für den des Glossenschreibers gleich mit. Kein geeigneterer Nachfolger für den scheidenden Glossenkönig Hartmut I. Mehdorn ist denkbar als Vladimir I. Putin. Wir freuen uns auf weiterhin gute Zusammenarbeit.
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U-Politik
(Weser Kurier, 27. Juli 07)

Schon länger ist Russland von der fixen Idee beseelt, der Nordpol sei russisches Territorium und es könne mit den dort vorhandenen Öl-, Gas- und sonstigen Vorkommen unermesslich reich werden. Weil diese Idee aus naheliegenden Gründen außerhalb Russlands nicht so viele Anhänger findet, haben sich die Russen jetzt aufgemacht, um direkt am Nordpol ein Loch ins Eis zu brechen und dann - in 4500 Meter Tiefe - mitten in die immerwährende Nacht der Tiefsee eine natürlich etwas schwer sichtbare Flagge zu setzen - aber immerhin halt „als Erste" (Expeditionsleiter Artur Tschilingarow). Außerdem wollen sie dort Gesteinsbrocken bergen, die haargenau so aussehen wie Gesteinsbrocken aus Russland. Das wär’ dann der Beweis. Für die Russen. Andere wiederum, wie der britische Geologe Ted Nield, wiesen schon dezent darauf hin, dass dort unten doch vieles zusammenhinge und dass deshalb mit demselben Argument auch Kanada ganz Russland und Eurasien als kanadisches Territorium reklamieren könne. Deshalb wäre es für die Russen jetzt schon ganz gut, wenn sie bei ihrer Expedition noch ein paar andere Indizien mit raufbrächten. Vielleicht Zeugnisse russischer Kultur auf dem arktischen Meeresboden: wodkaabsorbierendes Plankton oder ein Tiefseefisch, der auf Russisch morst. Oder sie entdecken eine geheimnisvolle Grabanlage mit einer Mumie drin, welche sich nach einem Gentest als Urururururururururururururahn Vladimir Putins erweist. Das gäbe dem russischen Vorstoß etwas mehr Gewicht. Ansonsten hilft nur aggressive Siedlungspolitik. Viel Glück dabei! Die ersten Jahrzehnte am Meeresboden werden sicher anstrengend.
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15. August 2008
Das Gesicht im Filz
Laudatio auf den Glossenkönig 2008,
Wolfgang Tiefensee


In Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee wollen wir heute die Menschlichkeit selber würdigen, das solidarische Prinzip, wie es zwischen den Klüften und Verwerfungen der hohen Politik immer noch unsichtbare Fäden von Mensch zu Mensch zu spinnen sich bereit findet. Wie oft wird nicht das kapitalistisch-demokratische System verkannt als eine monströse Maschinerie, in der mächtige Interessen und allgegenwärtige Korruption den einzelnen, kleinen Menschen zu verschlingen trachten? Wie oft hat man sich nicht schon kopfschüttelnd gefragt, wie dieser oder jener in sein staatswichtiges Amt gerutscht sein mag, welche Proporzabsprache aus Partei- und Landespolitik nun wieder hinter seiner Berufung stehen mag?

Wolfgang Tiefensee, und das ist kein geringes Verdienst, gibt all dem undurchschaubaren, undurchsichtigen, unpersönlichen Getriebe ein Gesicht, inmitten großer Filzlandschaften erscheint er immer wie einer von uns: irgendwie ahnungs- und arglos dort hineingeraten; selber niemals so ganz klar darüber, welcher Einfluss es nun wirklich ist, der hinter seiner letzten Entscheidung gestanden haben mag: So knickt er bei russischen Erpressungsmanövern gegenüber der Lufthansa ein, so empfiehlt er - vielleicht sogar aus ehrlicher, lauterer Terrorpanik -, Hartz-IV-Empfänger als Zugbegleit-Sheriffs einzusetzen, so nimmt man ihm, dem immerhin knapp elf Prozent der eigenen Mitarbeiter in einer Umfrage gute Führungsqualitäten bescheinigt haben, einfach jede Unbeholfenheit ab: An dem Tag, da er ein entschlossenes, hoch amüsantes Anti-Stau-Programm ankündigte, war ihm sicher wirklich nicht klar, dass er mit seiner revolutionären Idee mitten in die Halbzeitpause des EM-Finales als Top-Meldung hineinstoßen würde!

Wolfgang Tiefensee, der als Schüler große Begabung im Cellospiel erkennen ließ, er ist dem "glossendienst" über die Jahre zu einem unverzichtbaren Mitstreiter geworden, einer von denen, die nie die ganz große Politik machen, aber immer gerne mal gute Miene machen, wo sie das böse Spiel nicht ganz kapiert haben - das macht ihn so unwiderstehlich, so menschlich. Und wie sollte eine gute Glossenfabrik ohne Menschlichkeit funktionieren? Wir sind stolz und glücklich, Wolfgang Tiefensee (SPD) als Glossenkönig Wolfgang I., Nachfolger Vladimirs I. Putin, ausrufen zu dürfen. Möge er das Reich der Glossen ein Jahr lang mit Milde beherrschen!
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15. August 2009
Im Stadtstaat des senilen Lächelns
Laudatio auf den Glossenkönig 2009,
Papst Benedikt XVI.


Froh und erhoben fühlt sich der "glossendienst", da er das Amt des Glossenkönigs für die kommende Legislaturperiode seinem rechtmäßigen und natürlichen Inhaber überantwortet: Endlich einmal, nach tollen und spannenden Jahren unter Regenten aus dem Politik- und Wirtschaftsleben, wird von nun an das Reich der Glossen von einem renommierten Wissenschaftler regiert: dem versierten, mit allen Wassern der Exegese gewaschenen Alt-Theologen Joseph Ratzinger, besser bekannt unter seinem Clansnamen: Benedikt XVI.

In den heiteren, wechselvollen und stets überraschenden Jahren seit "glossendienst"-Gründung 2005 haben wir die unterschiedlichsten, auf je eigene Weise hoch charmanten Typen als Glossenkönige erleben dürfen: Einem Haudrauf-Regenten wie Vladimir I. Putin folgte das Modell "Ahnungsloses Politik-Opfer" Wolfgang I. Tiefensee, und nie vergaß man darüber den Klassiker des hemdsärmligen Realitätsverächters auf dem Thron: Hartmut I. Mehdorn.

Freudig überrascht sehen wir nun, wie ein Glossentalent historischen Ausmaßes nun all diese Charaktere zu überstrahlen sich anschickt: In Benedikt XVI. gilt es einen "glossendienst"-Zuarbeiter zu würdigen wie er schöner nicht hätte gemalt werden können: Mit einer Leichtigkeit, die sich aus Jahrzehnten intensiven Trainings speist, gibt Benedikt XVI. den Narren auf dem Thron, gibt er der Weltöffentlichkeit eine feinjustierte, greisenhafte Kindlichkeit zu kosten, die alle bisherigen Spielarten uriger Selbstherrlichkeit noch in den Schatten stellt: Immer gut gelaunt, stellt er sich arglos und schwerhörig, wenn der nächste Skandal in die Welt gesetzt worden ist, niemals ist er für kritische Nachfragen erreichbar, und selbst noch die subordinierten Sprecher, die er vorschickt, fallen mit großen runden Augen aus allen Wolken: Wiiieee? Waaaas? Sagen die runden Augen. Von geistigen Rückfällen ins Mittelalter, wie Benedikt XVI. sie in Reden und Personalentscheidungen konsequent auszutragen pflegt, kann doch gar keine Rede sein! Alles, alles ist missverstanden worden! Und selig lächelt der gute Greis von den Bildern. Freundlich nickend ziehen seine Herolde sich zurück in ihre hehren Gemäuer. Und wieder einmal ist Hardcore-Politik durchgepaukt im Stadtstaat des senilen Lächelns.

Wir vom "glossendienst" können nicht anders als unsere Käppis zu ziehen vor der Chuzpe und der Konsequenz, mit der der Papst seine Rolle durchhält, und als Freunde allen bizarren Verhaltens sagen wir: Danke! Ganz sicher wird unser neuer Glossenkönig, Benedikt I., auch im Jahr seiner Regentschaft die große Fallhöhe des menschlichen Geistes aufzuzeigen wissen, wird er ein vertattertes Auftreten über retrograde Entscheidungen von enormer Krassheit zu setzen wissen: Kontraste von großer Anmut sind uns sicher, die wir brauchen, um hochprozentige Glossen produzieren zu können. Glossenkönig Benedikt I., lass' er sich zurufen: Auf weiterhin gute Zusammenarbeit! Und lächle er ganz ahnungslos dabei.
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15. August 2010
Witzvorleger aus Leidenschaft
Laudatio auf den Glossenkönig 2010,
Dr. Guido Westerwelle


Für das Glossen- und Witzwesen in Deutschland hat die Bundestagswahl 2009 einen massiven Impuls gebracht. Kuriose, halbseidene, unbeholfene Gestalten, die man bis dahin für reine Sidekicks gehalten hatte, erstürmten jetzt die politische Bühne und besetzten reihenweise Ämter, die sich dagegen nicht wehren konnten. Wohin man auch schaute, menschliche Skurrilität trieb ihre buntesten Blüten: Kindisch radebrechende, rundum überforderte Herren beherrschten ein Land, dem man lange Zeit ein zu verbiestertes Image hatte anhängen wollen. Wer sollte Deutschland jetzt noch gar zu ernst nehmen wollen? In den heiteren, wechselvollen und stets überraschenden Jahren seit "glossendienst"-Gründung 2005 haben wir die unterschiedlichsten, auf je eigene Weise hoch charmanten Typen als Glossenkönige erleben dürfen: Einem Haudrauf-Regenten wie Vladimir I. Putin folgte das Modell "Ahnungsloses Politik-Opfer" Wolfgang I. Tiefensee, und nie vergaß man darüber den Klassiker des hemdsärmligen Realitätsverächters auf dem Thron: Hartmut I. Mehdorn.

Wir, als Volk und als glossendienst, fühlen uns der neuen Regierung und namentlich der in ihr enthaltenen Partei FDP, und namentlich der ihr vorstehenden liberalen Persönlichkeit tief verbunden. Und so konnte es in diesem Jahr zu keiner Debatte kommen, als es darum ging, den Glossenkönig 2010 zu küren. Niemand sonst in Wirtschaft, Sport, Kultur oder Politik hat im abgelaufenen Jahr einen derartigen Anschub der Witzproduktion in Deutschland und im glossendienst bewirkt wie der Vorsitzende der Freien Demokratischen Partei und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Guido Westerwelle.

Bestätigt fühlen wir uns durch eine repräsentative glossendienst-Umfrage, an der über achttausend SPAM-Leser auf spiegel.de teilnahmen und die durchgängig der Meinung waren: Dieser Mann braucht einen NOCH wichtigeren Posten. So trauten ihm 18,5% der Befragten zu, als "Wellenbrecher vor Westerland" zu fungieren, 11% wünschten ihn sich schon als "Bundeskanzler - aaaahahahahaHAAAA!!! Hihi...", stolze 22,1% aber sahen Dr. Westerwelle bereits auf über-internationalem Level agieren und meinten: "Deutschlands Beziehungen zum Merkur schwächeln - er könnte dort Botschafter werden."

Wir vom glossendienst sind froh, einem Manne wie diesem nun das höchste Amt übertragen zu können, das uns zur Verfügung steht: "Glossenkönig 2010" wird hiermit (und wir sind stolz auf dich, Jungchen): Dr. Guido Westerwelle!
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